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Brücken bauen: Kommunikation in der Pflege von Menschen mit Demenz

Aktualisiert: 22. Feb.

Die Pflege von Menschen mit Demenz stellt uns vor besondere Herausforderungen, insbesondere wenn es um die Kommunikation geht. Worte, die einst Brücken bauten, scheinen manchmal ins Leere zu laufen. Doch gerade in diesen Momenten eröffnen sich neue Wege des Verstehens und der Verbindung. Dieser Artikel beleuchtet, wie wir durch angepasste Kommunikationsstrategien die Welt der Demenzkranken besser verstehen und ihnen beistehen können, um ihre Lebensqualität zu verbessern.



Senioren Gruppe beim Malen

Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, die durch einen fortschreitenden Verlust der kognitiven Funktionen gekennzeichnet sind, welcher die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, alltägliche Aktivitäten auszuführen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, aber es gibt viele andere Typen, darunter vaskuläre Demenz, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporale Demenz. Jede Form hat ihre eigenen spezifischen Symptome, aber im Allgemeinen können Demenzerkrankungen die Kommunikationsfähigkeit beeinflussen, was sich in Schwierigkeiten beim Finden von Wörtern, beim Verfolgen von Gesprächen und beim Verstehen von Informationen äußert.


Die Welt aus Sicht eines Demenzkranken


Menschen mit Demenz erleben die Welt anders. So sind Interaktionen mit anderen auf eine Weise, die für Außenstehende oft schwer nachvollziehbar ist. Ihre Realität ist geprägt von einer Mischung aus vergangenen Erinnerungen, gegenwärtigen Wahrnehmungen und manchmal auch Halluzinationen. Diese Vermischung kann zu Missverständnissen, Angst und Frustration führen, besonders wenn sie versuchen, sich mitzuteilen, aber die richtigen Worte nicht finden oder ihre Gedanken nicht klar ausdrücken können.


Die kognitive Beeinträchtigung führt dazu, dass alltägliche Aufgaben, die früher selbstverständlich waren, nun unüberwindbare Herausforderungen darstellen können. Dies kann zu einem Gefühl des Kontrollverlusts über das eigene Leben führen, was oft mit Scham, Ärger und Depression einhergeht. Menschen mit Demenz können sich in ihrer eigenen Welt gefangen fühlen, unfähig, ihre Bedürfnisse, Wünsche oder Ängste effektiv zu kommunizieren.


Empathie und Geduld im Umgang mit Demenzkranken sind daher von unschätzbarem Wert. Es erfordert ein tiefes Verständnis dafür, dass jede Handlung, jedes Wort und jede Reaktion, die für uns vielleicht keinen Sinn ergibt, für die Person mit Demenz eine Bedeutung hat und Ausdruck ihres Versuchs ist, sich zu verständigen oder auf ihre Umgebung zu reagieren.


Ein empathischer Ansatz in der Kommunikation berücksichtigt auch die emotionalen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz. Sie benötigen Zuspruch, Liebe und die Versicherung, dass sie in einer sicheren Umgebung sind. Es geht nicht nur darum, was wir sagen, sondern auch darum, wie wir es sagen. Eine ruhige, positive Tonlage, begleitende Gesten der Zuneigung und direkter Augenkontakt können helfen, Vertrauen aufzubauen und eine Brücke zur Welt des Demenzkranken zu schlagen. Es ist wichtig, sich in ihre Lage zu versetzen und zu erkennen, dass ihre Wahrnehmungen und Gefühle, auch wenn sie von der Realität abweichen mögen, für sie sehr real sind. Die Kommunikation sollte an ihre Bedürfnisse angepasst werden, mit einem Schwerpunkt auf Klarheit, Beruhigung und Unterstützung.


Kommunikationsstrategien für die Pflege bei Demenz


Anpassung der verbalen Kommunikation

Die Anpassung der verbalen Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle im Umgang mit Menschen, die an Demenz leiden. Einfache, klare Sätze und eine beruhigende Tonlage helfen, Verwirrung zu minimieren und die Verständigung zu verbessern. Es ist wichtig, direkte Fragen zu stellen, die eine einfache Ja- oder Nein-Antwort erfordern, und dem Betroffenen genügend Zeit zu geben, um die Informationen zu verarbeiten und zu antworten. Vermeiden Sie Fachjargon oder abstrakte Konzepte, die schwer zu verstehen sind, und versuchen Sie stattdessen, konkrete und vertraute Begriffe zu verwenden.


Nutzung nonverbaler Kommunikation

Nonverbale Kommunikation ist oft ebenso wichtig wie verbale Kommunikation, wenn nicht sogar wichtiger. Körpersprache, Mimik und Gestik können starke Werkzeuge sein, um Gefühle und Absichten zu vermitteln. Ein lächelndes Gesicht, eine sanfte Berührung oder ein zustimmendes Nicken können Sicherheit und Verständnis ausdrücken, auch wenn Worte fehlen. Es ist essentiell, eine offene und zugewandte Körperhaltung einzunehmen, um Nichtbedrohlichkeit zu signalisieren und eine positive Atmosphäre zu schaffen.


Berücksichtigung des emotionalen Zustands

Bei der Kommunikation mit Demenzkranken ist es wichtig, ihren emotionalen Zustand zu berücksichtigen. Emotionen können oft klarer wahrgenommen und ausgedrückt werden als Gedanken oder Ideen. Achten Sie auf emotionale Signale und reagieren Sie empathisch. Wenn jemand beispielsweise Anzeichen von Angst oder Unruhe zeigt, ist es wichtiger, Beruhigung und Sicherheit zu bieten, als sofort auf inhaltliche Klarheit zu drängen.


Schaffung positiver Erlebnisse

Kommunikation mit Demenzkranken sollte darauf abzielen, positive Erlebnisse zu schaffen. Dies kann durch gemeinsame Aktivitäten geschehen, die Spaß machen und an die Fähigkeiten des Betroffenen angepasst sind. Musik, Kunst oder Spaziergänge in der Natur können nicht nur die Kommunikation erleichtern, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden steigern und die Beziehung zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen stärken.

 

Die Umgebung gestalten


Schaffung einer kommunikationsfördernden Umgebung

Die Gestaltung der Umgebung kann einen signifikanten Einfluss auf die Kommunikationsfähigkeiten von Menschen mit Demenz haben. Eine ruhige, wohlstrukturierte Umgebung reduziert Stress und Verwirrung, was wiederum die Kommunikation erleichtert. Dies bedeutet, störende Geräusche zu minimieren, für ausreichend Beleuchtung zu sorgen und eine klare Struktur im Wohnbereich zu schaffen. Orientierungshilfen wie beschriftete Räume oder farblich markierte Wege können den Betroffenen helfen, sich besser zurechtzufinden und fördern damit indirekt auch die Kommunikation.


Nutzung von Hilfsmitteln und Technologien

Verschiedene Hilfsmittel und Technologien können die Kommunikation mit Demenzkranken unterstützen. Einfache Werkzeuge wie Bildkarten oder leicht zu bedienende Apps ermöglichen es den Betroffenen, ihre Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken, auch wenn die verbale Kommunikation schwierig ist. Digitale Assistenten oder speziell entwickelte Software für Demenzkranke können zudem Tagesabläufe vereinfachen und zur Selbstständigkeit beitragen, indem sie Erinnerungen aussprechen oder Unterhaltung bieten.


Anpassung an individuelle Bedürfnisse

Jeder Mensch mit Demenz ist einzigartig, und daher sollte die Umgebung individuell an seine Bedürfnisse, Vorlieben und Fähigkeiten angepasst werden. Das kann bedeuten, persönliche Gegenstände sichtbar zu platzieren, die dem Betroffenen vertraut sind und ihm Sicherheit geben, oder Aktivitäten anzubieten, die an seine früheren Interessen anknüpfen. Diese personalisierte Anpassung trägt dazu bei, das Wohlbefinden zu steigern und die Kommunikation zu erleichtern.


Förderung von sozialer Interaktion

Eine Umgebung, die soziale Interaktion fördert, ist für Menschen mit Demenz besonders wichtig. Gemeinschaftsräume, in denen sie sich sicher und willkommen fühlen, ermöglichen Begegnungen und Austausch mit anderen. Gruppenaktivitäten, die auf die Fähigkeiten der Teilnehmer abgestimmt sind, können die Kommunikation anregen und ein Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinschaft schaffen.


Herausforderungen in der Kommunikation meistern


Umgang mit Missverständnissen und Frustration

In der Kommunikation mit Menschen, die an Demenz leiden, sind Missverständnisse und Frustration häufige Herausforderungen. Es ist wichtig, gelassen zu bleiben und nicht persönlich auf negative Emotionen oder Ablehnung zu reagieren. Stattdessen sollte man versuchen, die Ursache für Frustration oder Missverständnisse zu verstehen und die Kommunikationsstrategien entsprechend anzupassen. Wiederholung in einfacher Sprache, die Verwendung von visuellen Hilfen oder das Wechseln des Themas können effektive Wege sein, um diese Situationen zu bewältigen.


Förderung von Selbstausdruck und Teilhabe

Die Ermöglichung von Selbstausdruck und die Förderung der Teilhabe sind zentrale Ziele in der Kommunikation mit Demenzkranken. Es gilt, Wege zu finden, die es den Betroffenen ermöglichen, ihre Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse auf ihre eigene Weise auszudrücken. Dies kann durch kreative Ansätze wie Musik, Kunst oder Bewegung geschehen, die es den Menschen ermöglichen, sich auch ohne Worte zu äußern. Gleichzeitig sollte aktiv nach Möglichkeiten gesucht werden, Demenzkranke in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, um ihr Gefühl der Selbstbestimmung und Würde zu stärken.


Schaffung positiver Momente

Trotz der Herausforderungen ist es wichtig, in der Kommunikation mit Demenzkranken positive Momente zu schaffen. Dies bedeutet, Erfolge zu feiern, sei es ein gelungenes Gespräch, ein Lächeln oder ein Moment der Verbindung. Solche positiven Erlebnisse können das Wohlbefinden beider Seiten fördern und die Motivation stärken, sich weiterhin aufeinander einzulassen und voneinander zu lernen.


Unterstützung für Pflegende


Selbstfürsorge und Umgang mit Belastungen

Die Pflege von Menschen mit Demenz kann emotional belastend sein und stellt einen vor viele Herausforderungen. Deshalb ist Selbstfürsorge für Pflegende von entscheidender Bedeutung. Dies umfasst Maßnahmen wie ausreichend Ruhe und Erholung, den Aufbau eines unterstützenden sozialen Netzwerks und bei Bedarf die Inanspruchnahme professioneller Hilfe. Es ist wichtig, dass Pflegende ihre eigenen Grenzen erkennen und sich Zeit für Aktivitäten nehmen, die ihnen Freude bereiten und Energie geben. Für weitere Tipps empfehlen wir unseren Artikel zur Selbstfürsorge für Pflegepersonen (Hier klicken).


Aufbau eines unterstützenden Netzwerks

Ein unterstützendes Netzwerk kann eine wertvolle Ressource für Pflegende sein. Der Austausch mit anderen Pflegenden, der Zugang zu Fachberatung und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen können emotionale Entlastung bieten und praktische Tipps für den Pflegealltag liefern. Solche Gemeinschaften fördern das Gefühl, nicht allein zu sein, und bieten eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und Bewältigungsstrategien.


Nutzung verfügbarer Hilfsangebote

Es gibt zahlreiche Hilfsangebote und Dienste, die Pflegende unterstützen können, von Pflegediensten über Tagespflegeeinrichtungen bis hin zu Beratungsstellen. Die Nutzung dieser Angebote kann dazu beitragen, die Pflegebelastung zu verringern und mehr Zeit für die eigene Erholung und andere Verpflichtungen zu schaffen. Informieren Sie sich über lokale Ressourcen und nutzen Sie auch gerne unsere verfügbaren Unterstützungsangebote, um die Pflege nachhaltig zu gestalten. Für eine kostenlose Pflegeberatung können Sie hier einen unkomplizierten Antrag stellen (Hier klicken).

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